Synonyme:
Online-Konzeptioner, Konzepter, Konzeptionist, Informationsarchitekt, auch: User Experience Berater
Im englischen Sprachraum:
Information Architect, bzw. User Experience (UX)/User Interface(UI) Designer, die dann hauptsächlich mit analytisch-abstraktem (IA) oder visuellem (UX/UI) Schwerpunkt arbeiten, auch: Concept Developer, Information Designer, User Experience Architect, Experience Director
Um beschreiben zu können, was genau das Berufsfeld eines Konzeptioners beinhaltet, ist zunächst zu erläutern, was unter dem Begriff Informationsarchitektur zu verstehen ist.
Informationsarchitektur
Informationsarchitektur bezeichnet die Konzeption und Definition der Struktur eines Informationssystems, meist eines Computersystems. Weiterhin werden die für den Nutzer des Systems möglichen Interaktionen beschrieben und die An- und Zuordnung sowie Benennung der in dem System enthaltenen Informationseinheiten und Funktionen festgelegt.
Der Begriff wird z. B. bei der Konzeption von Websites verwendet, aber auch bei mobilen Anwendungen und der klassischen Software-Entwicklung. Die Informationsarchitektur folgt in der Regel den Prinzipien der Usability und ist Bestandteil des User Centered Design (Kloppenburg 2011).
Diese Informationsarchitektur wird vom Informationsarchitekt, bzw. dem Konzeptioner erstellt.
Dazu Jacobsen (2009: 98): „In den großen und erfolgreichen amerikanischen Web-Agenturen gibt es hauptberufliche Informations-Architekten. In Deutschland ist das noch die große Ausnahme. Die Funktion des Informations-Architekten übernimmt hier gewöhnlich der Konzepter.“
Durch Recherche der Tätigkeitsprofile von Informationsarchitekten und Konzeptionern in deutschen Stellenanzeigen entstand für mich der Eindruck, dass der Informationsarchitekt im deutschen Sprachraum den Konzeptioner um die Kenntnisse im User Experience Design erweitert und zusätzlich in stärkerem Kundenkontakt steht (vgl. z.B. Jung von Matt – Jobs). Daher:
Informationsarchitekt = Konzeptioner + Usability Berater
Trotzdem spielt die Benutzerfreundlichkeit des entstehenden Internetauftritts für beide Berufsgruppen eine zentrale Rolle.
Konzeptioner
Der Konzeptioner erstellt gemeinsam mit Projektmanager, Screen Designer und Programmierer das Konzept für eine Online- oder Multimedia-Produktion.
Der Arbeitsschwerpunkt des Konzeptioners liegt dabei nicht in der pixelgenauen Gestaltung von Oberflächen (Interfaces), sondern bei der medienintegrativen Gestaltung von Handlungsabläufen bzw. interaktiven Ablaufstrukturen. Dafür erstellt der Konzeptioner zunächst ein Exposé oder Strategisches Konzept, das in einer Grobkonzeption erweitert wird. Nach Abnahme vom Kunden wird dieses Grobkonzept im Detail als Feinkonzept ausgearbeitet (z.B. mit Wireframes). Das Feinkonzept bildet die Grundlage für die Gestaltung der Inhalte (zusammen mit den Textern) und der Oberflächen (zusammen mit den Programmierern und Screen Designern).
Typisches Anforderungsprofil für einen Konzeptioner:
• Kreativität
• Strategisches, analytisches und strukturiertes Denken
• hohe Team- und Kommunikationsfähigkeit
• Kenntnisse in Kunden-, Marken und Werbekommunikation sowie Informationsarchitektur und –vermittlung
• Interdisziplinarität, gutes Ausdrucksvermögen, Beherrschung von Präsentationstechniken
• Grundkenntnisse von Internet-Technologien, Programmierung, Marketing, Werbung und Design
Konzepterstellung
Ein gutes Konzept legt die Basis zum Erfolg. Wichtig ist die Reihenfolge:
Zunächst wird die Zielgruppe und ihre Ziele im Grobkonzept definiert. Anschließend wird erarbeitet, welche Mittel eingesetzt werden. Feinkonzept und Design Konzept sollten abgeschlossen sein, bevor mit der Umsetzung begonnen wird.
Grobkonzept (Jacobsen 2009)
(Einzelne Elemente können auch schon vor Erstellung des Angebots sinnvoll sein)
• Recherche zu Unternehmen/Branche
• Überblick verschaffen, im WWW generell und bei der Konkurrenz
• Recherche zur Zielgruppe/Benutzerprofile entwickeln
• Nutzungsszenarien entwickeln
• Ziele definieren
• Funktionen festlegen
• Ideenfindung/Brainstorming/Mindmapping
• Erste Screens in Zusammenarbeit mit Screendesigner
• CMS/Anbindung an bestehende Systeme
• Mobile Anwendung
• Schreiben des Grobkonzepts und Abnahme durch Kunden
Feinkonzept (Jacobsen 2009)
Das Feinkonzept ist der Fahr- und Konstruktionsplan für die Site. Darin ist jede einzelne HTML-Seite beschrieben (zum Beispiel in Wireframes/ klickbaren Prototypen). Alle Texte, Bilder, Interaktivitäten usw. sind vermerkt, Dynamische Sites (mit Datenbankanbindung) kommen aber nicht mit ins Feinkonzept. Auftraggeber, Projektleiter, Texter, Redakteure, Grafiker, HTML- und Flash-Programmierer – sie alle finden im Feinkonzept sämtliche Informationen, die sie für ihre Arbeit brauchen.
Eine mögliche (bewährte) Vorgehensweise:
1) Informationen sammeln
2) Informationsarchitektur erarbeiten
3) Navigationsarchitektur erstellen
4) Eventuell Layout anlegen (Designkonzept erstellen)
5) Prototypen erstellen und testen (Usability-Testing)
6) Architektur anhand der Testergebnisse überarbeiten
7) Das eigentliche Dokument erstellen (z.B. mit Wireframes inkl. Anmerkungen zu den einzelnen Seitenelementen):
- Informations- und Navigations-Architektur beschreiben
- Übergeordnete Funktionen beschreiben
- Startseite beschreiben
- Inhaltsseiten beschreiben (Text, Bilder, Funktionen)
- Dokument korrigieren lassen (z.B. von Kollegen)
-> Feinkonzept an Auftraggeber schicken und abnehmen lassen
Die Site soll möglichst benutzerfreundlich konstruiert werden. Es zählt immer die Regel: Der Benutzer hat immer Recht. Dort, wo er Dinge sucht, dort sollten sie sein. Wo es das Budget erlaubt, sollten so oft wie möglich die Benutzer miteinbezogen werden, um immer wieder zu testen, ob die Ideen auch ankommen (dazu bald mehr unter -> Usability Testing)
Quellen:
• Cloppenburg, Klaus (2011): Informationsarchitektur. interactive tools GmbH, Berlin. (pdf)
• Jens Jacobsen (2009): Website Konzeption. Addison-Wesley Verlag, München.
• http://de.wikipedia.org/wiki/Konzepter
• http://www.jvm.com/de/jobs/offers/





